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Leider war es zu diesem Zeitpunkt schon relativ spät, um die Tour
zu planen. Die Brückenbesichtigung war vom 4.-7. Juni 1998. Aber ein
kleiner Polyglott aus dem Buchladen und die Antwort vom dänischen
Fremdenverkehrsamt in Hamburg auf meine Faxanfrage half mir schnell
weiter. Ich beschloß, auf der Westseite der Brücke, also auf
der Insel Fünen nach einem Quartier zu suchen, und zwar zuerst im
Ort Kerteminde, der ca. 25km nördlich des westlichen Brücken-Ankerpunktes
liegt. Ein Anruf beim 'Kerteminde
Vandrerhjem' ergab, daß man völlig ausgebucht sei, und zwar
wegen der Brückeneröffnung an dem Wochenende. Uff, das konnte
ja noch schwierig werden. Aber nach mehreren Anrufen beim 'Turistbureau'
in Kerteminde, wo man mir Telefonnummern von in der Nähe gelegenen
Bed&Breakfast-Häusern gab, hat es dann aber doch noch geklappt.
Ich bin dann für einige Tage im wirklich gemütlichen Hause 'Naboløs'
untergekommen, das etwa in der Mitte zwischen Kerteminde und Nyborg liegt.
In Nyborg war dann auch schon der Bär los: Ich sah erst 'zig', dann Hunderte und später scheinbar Tausende von Radrennfahrern durch den Ort radeln, auf von der Polizei freigehaltenen Straßen. Später stellte sich dann heraus, daß von Donnerstag bis Sonntag verschiedene sportliche Veranstaltungen laufen sollten, die alle auch über die neue Brücke geleitet wurden. Die eine Fahrbahnrichtung der Brücke wurde jeweils für diesen Zweck freigehalten und auf der anderen Hälfte konnte man sich als Fußgänger frei bewegen. Aber nicht mit dem Fahrrad. Ob's stimmt, habe ich nicht mehr herausgefunden, aber angeblich soll man am Donnerstag mit dem Fahrrad über die Brücke gefahren haben dürfen. Es war aber leider schon Freitag abend... Und so bin ich dann auch tatsächlich nicht mehr mit dem Fahrrad auf die Brücke gekommen. Am Freitag jedenfalls wurde ein Radrennen durch Fünen und Seeland veranstaltet, am Samstag ein Rennen der Rollerblader und ein Halbmarathonlauf durchgeführt, und am Sonntag eine Automobil/Oldtimer-Show.
Am
Samstag dann habe ich mich auf den Weg gemacht, auf die Brücke zu
gelangen. Die Verbindung der Inseln Fünen und Seeland erfolgt in zwei
Etappen. Auf der westlichen Hälfte verlaufen sowohl die Bahnstrecke
als auch die Autobahn parallel nebeneinander auf einer
Flachbrücke bis zur kleinen Insel Sprogo etwa in der Mitte. Diese
Insel soll mal in früherer Zeit 'Gefangeneninsel' gewesen sein und
ist jetzt zu einem Naturschutzgebiet erklärt worden. Ab dem Zeittpunkt
der Inbetriebnahme des Autoverkehrs wird diese Insel nicht mehr für
'normale Leute' erreichbar sein. Für den östlichen Teil der Verbindung
verschwindet dann die Bahnstrecke in einem Tunnel unter dem Meer und kommt
erst wieder auf Seeland nahe Korsør wieder zum Vorschein. Dnd für
die Autofahrer heißt es ab Sprogø: hinauf auf die riesige Brücke,
die in der Mitte etwa 65 Meter hoch ist und damit hochseetaugliche Schiffe
durchlassen kann. Die Brücke ist etwa 8km lang, wird getragen von
zwei 258 Meter hohen Pylonen und ist damit eine der größten
Brücken der Welt.
Vor Ort bestätigte sich dann, daß es für Radfahrer nicht möglich sei, aber daß ich problemlos zu Fuß auf die Brücke gehen konnte. Ich war ziemlich enttäuscht, wie auch viele andere Radfahrer u.a. auch aus Deutschland. Also ließ ich mein Rad stehen und stieg in einen der sehr zahlreichen, ständig zwischen Nyborg und der Insel Sprogø pendelnden kostenlosen Busse. Auf Sprogø angekommen wurde dann auch klar, wie das Ganze finanziert wurde: Das dänische rote Kreuz nahm 40 Kronen (ca. DM 10,-) Eintritt.
Auf der Gegenspur liefen noch Tausende der Halbmarathonläufer,
viele davon allerdings nur noch im Gehtempo. Auf dem Bild links habe ich
den ersten Blick zurück nach Sprogø festgehalten. Auf der Gegenseite
der Straße sieht man noch die restlichen Teilnhmer des Halbmarathonlaufes.
Links hinten der Hügel auf Sprogø mit dem Leuchtturm und einem der
wenigen Gebäude auf der Insel. An dieser Stelle der Brücke hat
man noch festen Boden unter den Füßen und die Steigung ist auch
noch recht gering.
Hier der erste Blick aus der Entfernung auf die Pylone. An diesen 'dünnen'
Drähtchen hängt die ganze Brücke... Und so langsam wird
es ab hier auch ziemlich windig. Anfangs hatte ich noch kurz daran gedacht,
doch lieber umzukehren und die Jacke zu holen. Aber schließlich bin
ich ja kein Weichei (glaub' ich)... Später dann war mir überhaupt
nicht mehr kalt, da einem bei zügigem Gehen und ständigem Ankämpfen
gegen den Wind ganz schön warm wird.
Natürlich kann man auf diesem Foto von dem Pylon wegen fehlender Möglichkeit
des Größenvergleiches nicht erkennen, welche Dimensionen das
Ding hat (auch mein Finger auf der Ecke links oben im Bild hilft da nicht
:-)). Aber vielleicht hilft da ja das folgende Foto,
das genau in der Mitte zwischen den beiden Pylonen aufgenommen wurde. Der
dicke x-fach verschraubte 'Anker' klemmt auf dem dicken Halteseil, an dem
alle Fahrbahnteile hängen. Das Seil besteht aus 18.648 einzelnen Stahldrähten
von je 5,38 mm Dicke. Es ist insgesamt etwa drei Kilometer lang und wiegt
etwa 9.500 Tonnen. Die dünnen Drahtseile darüber habe keine tragende
Funktion, sondern dienen nur dazu, sich auf dem Halteseil fortbewegen und
festhalten zu können. Jaja, man kann d'rauf 'rumlaufen... Übrigens
sind in regelmäßigen Abständen solche Kästen mit Steckdosen
an der Brücke angebracht.
Wer also den Drang verspürt, verbotenerweise auf der Brücke anzuhalten
und seinen Campingwagen mit Strom versorgen zu müssen, dem bieten
sich reichlich Möglichkeiten. Vielleicht bringt das nächste Bild
ja einen Eindruck davon, wie hoch die Pylone sind: Auf dem Querträger
in der Mitte kann man (wahrscheinlich nur auf dem Großbild, das man
beim D'raufklicken ansehen kann) einige kleine Flecken erkennen. Das ist
kein Fliegendreck, sondern das sind Menschen, die da oben vorbeigingen
!
Und damit man mir auch glaubt, daß ich die Fotos nicht aus der 'Tagespresse'
geklaut habe, habe ich noch einen der Passanten gebeten, doch ein Bild
mit mir d'rauf zu machen. Daß die Ärmel hochgekrempelt sind
zeigt noch einmal, daß man vom Ankämpfen gegen den Wind eher
wärmer wird, als kälter durch den eigentlich eisigen Wind.
Tja, und auf diesem Bild sieht man die Fährschiffe kurz vor Korsør,
die bis kurz vor der Eröffnung noch die beiden großen Hauptinseln
Dänemarks verbanden. Mit der Eröffnung der Brücke wurde
die Fährlinie eingestellt. Jetzt ist es vorbei mit 'in Ruhe auf der
Fähre die Überfahrt geniessen und eine Stunde Zeit für Dinge
haben, die sonst auf der Strecke bleiben'... Was vorher etwa eine Stunde
dauerte erreicht man jetzt mit dem Auto oder dem Zug in 10 Minuten. Ob
das nur Vorteile hat, darf bezweifelt werden
Auf
Seeland angekommen, nach eineinhalb Stunden Wanderung gab's dann zur Belohnung
auch erstmal ein Bier und einen 'Broburger', also einen 'Brückenburger'.
Auf dem Bild noch einmal ein Blick von Seeland an der Brücke vorbei
zur Insel Sprogø, die nur als Schatten zu erahnen ist. Sowohl auf Sprogø
als auch auf dieser Seite der Brücke hatte das rote Kreuz Zelte aufgebaut,
in denen z.B. Andenken und 'Kulinarisches' verkauft wurden. Außerdem
waren außreichend sanitäre Anlagen aufgebaut, was sicher auch
den Sportlern galt.
Nach kurzem Aufenthalt auf Seeland trat ich dann auch wieder Heimmarsch
an. Zum Glück kam diesmal der Wind von hinten, aber dafür die
Sonne von vorn. Und wie das so ist, denkt man natürlich nicht daran,
daß man auch bei kaltem Wind einen Sonnenbrand bekommen kann. An
die Sonnenbrille hatte ich gedacht, aber erst in der Unterkunft angekommen
sagte man mir, daß ich 'ganz gut Farbe' bekommen hätte. Dann
merkte ich es auch plötzlich... Auf der Brücke jedenfalls bewog
mich der Sonnenschein, noch einmal ein Bild von den Pylonen zu machen,
aber diesmal eben mit Sonnenschein d'rauf.
Die Leute, die mir hier entgegen kommen, sind schon die letzten, die auf
die Brücke gelassen wurden. Schließlich muß man bis zu
zwei Stunden einplanen, bis die auf der anderen Seite angekommen sind.
Auf Sprogø fand dann noch ein Konzert statt, das allerdings nur für
zahlende Gäste veranstaltet wurde.
Ich war aber auch froh, dann wieder in einen der zahlreichen, aus ganz Dänemark zusammengezogenen Busse einsteigen zu können, der mich wieder bis nach Fünen brachte Am 'Kontrollpunkt' dort angekommen, habe ich noch kurz mit einem der extra für diese Tage eingesetzten Bewacher unterhalten. Er sagte, daß er von vielen Leuten, insbesondere Deutschen, gehört habe, daß sie enttäuscht waren, weil sie nicht mit dem Fahrrad auf die Brücke durften. Aber er sagte auch, daß man schon im dänischen Fernsehen darüber gesprochen habe, daß im deutschen Fernsehen nur unzureichende Informationen verbreitet wurden. Aber egal. Es war wirklich ein Erlebnis !!!
Auf der Karte links sind mögliche Rundtouren eingezeichnet. Ich habe
mich anfangs genau an die Strecke gehalten, später auf dem Rpckweg,
auch aus Zeitgründen, aber eine Abkürzung genommen. Den Weg nach
Kerteminde kannte ich ja schon von den Tagen vorher. Auf dem Weg dorthin
kommt man an einer Straßenmündung vorbei, an der ein Schild
steht, das einem etwas spanisch bzw. russisch vorkommt. Aber seht selbst:
Daß das nicht der Ort ist, den man anfangs vermuten könnte,
merkt man auch daran, daß es dort sicherlich wesentlich kälter
ist, als auf dem Foto zu erahnen ist... Am rechten Bildrand in der Ferne
liegt Kerteminde. Nur wenige Kilometer weiter in dem Waldstück ist
folgendes Bild entstanden:
Man kann gut erkennen, daß die Ostsee ständig am Ufer nagt und
sich nach und nach auch den einen oder anderen Baum holt. Nicht an vielen
Stellen geht der Wald bis ans Wasser heran.
Kerteminde ist eine recht schöne alte Hafenstadt
mit zum Teil noch gut erhaltenen typischen alten Häusern. Auf dem
weiteren Weg über Hverringe und Stavre kommt man durch Wälder
und über Feldwege zum Stavreshoved, wo ich mir einen Gang über
Waldwege hinunter zum Wasser genehmigt habe Dort hat man eine schöne
Aussicht übers Wasser in viele Richtungen. Ein Stück weiter kurz
hinter Måle kommt man zum höchsten Punkt Hindsholms mit ganzen
36m über NN. Dennoch hat man von dort eine schöne Aussicht
über die Landschaft und hinüber nach Romsø und kann sich
einen
guten Überblick verschaffen. Beim Ort Viby ist eine
alte, restaurierte Windmühle zu sehen,
die aber zu dem Zeitpunkt nicht besichtigt werden konnte. Die heruntergekommenen
Hinweisschilder davor deuteten auch nicht unbedingt darauf hin, daß
sich das ändern wird... Ansonsten erinnert die Bauweise aber auch
stark an die Windmühlen, die man aus Norddeutschland und Holland kennt.
Weiter ging's entlang dem flachen Bøgebjerg Strand
Richtung Stubberup. Dabei kam ich an einem der vielen großen Höfe
vorbei, die davon zeugen, daß hier schon vor langer Zeit lebhaft
gehandelt und gewirtschaftet wurde. Ob die Gebäude allerdings heute
noch ihrem ursprünglichen Zweck dienen, weiß ich nicht.
Hinter dem Ort Martofte liegt das größte Hünengrab
Fünens: Mårhøj. Der Weg dorthin verläuft von einer
befestigten Straße quer durch ein Feld. Wie auch in Deutschland können
es die Bauern wohl auch in Dänemark nicht lassen, jeden Quadratmeter
Land zu bewirtschaften, den sie an sich reißen können. Jedenfalls
hilft es nichts: Die ständige Benutzung des Pfades zum Grab bewirkt,
daß hier die Ackerfrucht das Rennen verliert. Die Lichtblitze auf
dem ersten Bild 
sind keine Diamanten aus den Grabbeigaben, sondern nur Reflektionen an
meinem Fahrrad, die das Blitzlicht des Fotoapparates ausgelöst hat
(Warum der dumme Apparat am hellichten Tage den Blitz anschmeißt
ist mir bis heute ein Rätsel). Rechts neben der Hinweistafel gehen
die Stufen zum Höhleneingang hoch. Von den regelmäßigen
Besuchern künden auch die Kerzen und Teelichte, die ich brennend im
Innern vorgefunden habe (Selber welche mitbringen ist aber anzuraten).
Dennoch reichen diese gerade eben so aus, um die Abmaße der Höhle
zu erahnen. Ein bischen mulmig wird einem schon dort. Es ist so gut wie
stockdunkel, Geräusche von außen dringen nicht bis ins Innere
vor, und man muß die Wände und die Decke ertasten, um sich nicht
zu stoßen. Wie es wirklich von innen aussieht konnte ich auch erst
wieder zu Hause sehen, als die Bilder entwickelt waren. Hünengräber
wie diese gibt es auch in meiner Heimatgegend (und das auch sonst nicht
so häufig), aber ich glaube, diese Größe ist nicht dabei.
Dann folgte eine etwas längere Strecke bis zu 'Fyns
Hoved', das als Schutzgebiet ausgeschrieben ist, aber dennoch zu Fuß
bewanderbar ist. Die Landzunge ist sehr hügelig und bietet reizvolle
Blicke
hinunter zum Meer. Wer genau hinsieht kann in der Mitte des Bildes zwei
kleine Punkte erkennen: Das sind Ruderer mit ihrem kleinen Boot. Bei guter
Sicht kann man in Richtung Norden vielleicht die etwas größere
Insel Samsø erkennen. Da das Wetter aber nicht so gut war, war ich
mir nicht sicher, ob das da hinten Land oder nur der Horizont war...
Auf dem Weg zurück kam ich wieder durch Martofte.
Angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit (ich hatte ausgedehnte Wanderungen
auf Fyns Hoved gemacht) hatte ich entschieden, von dort an den im Buch
beschriebenen Radweg zu benutzen, der auf einer alten Eisenbahntrasse angelegt
wurde. Das hat mir sehr gut gefallen ! Es ist ein wirklich schöner
Weg, der quer durchs Land geht, manchmal durch Einschnitte in den Hügeln,
direkt hinter Häusern entlang und immer eingebettet von Grün.
Das Foto
zeigt einen 'Bahnübergang' in der Nähe von Stubberup.
Unterwegs stieß ich dann noch auf eine große
Schnecke
,
die den Weg querte. Da ich solch große Schnecken nur aus den Weinbergen
Süddeutschlands/-europas kenne war das schon überraschend (Allerdings
habe ich zufällig wenige Monate danach am Mittellandkanal auch so
eine Schnecke gesehen. Ist das normal, oder läuft da gerade eine Invasion
der Killerschnecken ab ???). Als Dank für's Ruhighalten beim Fotografieren
habe ich der Schnecke dann auch den Rest des Weges erspart und sie ins
Gras gesetzt :-)
Etwas überrascht war ich dann aber kurz vor Dalby:
Der Radweg endete plötzlich an einer Straße und auf der anderen
Straßenseite war nur Baustelle. Ob der Radweg dort erneuert oder
auf dem Teilstück gerade erst angelegt wurde konnte ich nicht klären.
Da er aber in der Karte
oben eingezeichnet ist, gehe ich davon aus, daß er in Kürze
wieder benutzbar ist. Den Rest des Weges bin ich dann also fast auf kürzestem
Wege über Dalby, Mesinge und Salby zurück nach Kerteminde geradelt.
Die ganze Strecke war etwa 84km lang, wovon aber etwa 20km auf die Strecke
nach Kerteminde hin fiel.

Alles über das Meer und die Lebewesen darin rund um Kerteminde und
allgemein in der Ostsee gibt's dort zu sehen. Dazu hat man einen Unterwassertunnnel
mit Fenstern direkt ins Hafenbecken gebaut. Dort kann man also das 'Leben
unter Wasser in echt' bewundern. In den Räumlichkeiten zu diesem
Center gibt's dann wirklich alles über das Zusammenspiel von Ostsee,
Tiden, Fischen, Fischern, usw. anschaulich dargestellt. Viele Abläufe
sind animiert oder lassen sich durch eigene Experimente nachbilden.
Tåsinge war schnell überquert und dann kam auch schon die zweite
Brücke. Zuerst folgt man einem langen Damm im Wasser, bis man dann
auf die eigentliche Brücke kommt. Auf dem Foto blickt man auf den
Ort Rudkøbing auf Langeland, in dem ich auch beim örtlichen
Tourist-Bureau nach einer Unterkunft fragen wollte. Die hatte allerdings
um 16:45 Uhr schon geschlossen und so stand ich da ohne Übernachtungsmöglichkeit.
Zum Glück hatte ich aber noch ein Verzeichnis mit einer ausführlichen
Beschreibung von bead-and-breakfast Häusern dabei, das gerade auch
noch Langeland einbezog. Nach dem Besorgen einer dänischen Telefonkarte
im Postladen war ich dann auch beim ersten Anruf erfolgreich. Einige Kilometer
nach Norden findet man im Ort Tullebølle ein Landgasthaus. Das habe
ich im Regen auch gerade noch erreicht, aber es gab eine Überraschung.
Kurz nach meinem Eintreffen (und ich versichere, ich hatte nicht meine
Finger im Spiel,) fiel in meiner Gebäudehälfte der Strom komplett
aus. Man wollte mir schon ein anderes Zimmer anbieten, aber nachdem ich
es mir nun schon ´gemütlich´ gemacht hatte war ich mit
der Lösung zufrieden, die ich zwischendurch als Notbehelf bekommen
hatte: eine Kerze. Ich glaube, auf sowas bin ich noch nie angewiesen gewesen.
Auch ´ne Erfahrung... Aber das Beste kommt ja noch. Anschließend
war ich nochmal kurz zur Telefonzelle unweit des Gebäudes und als
ich zurückkam war die Außentür verschlossen. Meinen Schlüssel
hatte ich natürlich drinnen liegen lassen. Super ! Auch waren schon
alle Lichter erloschen und ein Blick auf die Rückseite des Gebäudes
zeigte, daß auch in der Küche nieman mehr war. Also wollte ich
klingeln gehen. Aber dann kam mir folgende Idee: Vor dem Fenster meines
Zimmers war eine Flachdachgarage und an der Seite war eine Leiter gelehnt.
Und weil ich das Fenster offen gelassen hatte bin ich kurzerhand husch
husch über die Leiter und die Garage zum Fenster eingestiegen. Tja,
das nennt man fast schon Abenteuerurlaub... ;-)
Die Weitereise am nächsten Morgen zeigte dann, dass
Tullebølle (ich liebe dieses Wort: Tullebølle, Tullebølle)
nur ein kleines Dorf ist und so ging es dann durch noch kleinere Dörfer
nach Spodsbjerg. Von dort kommt man nur per Fähre über den Langelandsbælt
nach Lolland. Warten muß man nicht all zu lange und auf der Fähre
kann man schön entspannen und essen und trinken. Auf Lolland landet
man im Ort Tårs. Auf dem Weg nach Nakskov kam mir dann folgendes
ins Blickfeld:
Leider kann man hier nicht viel erkennen, aber mit etwas gutem Willen erkennt
man ein ´vielarmiges´ Windrad. Aus dieser Perspektive konnte
man mindestens fünf Windräder direkt hintereinander sehen, die
dann aus der Ferne wie ein Windrad mit ´tausend Flügeln´
aussehen. Der Bauer auf dem Feldweg konnte oder wollte erst nicht verstehen,
was ich da an seinem Feldrand wollte. Aber nach der Aufklärung lachte
er und wünschte mir noch viel Glück.
In Anbetracht des Erlebnisses vom Vortage und der recth
knappen Zeit habe ich mich dann beeilt, von Nakskov nach Rødbyhavn
zu kommen, da ich auf der deutschen Seite übernachten wollte. Der
schnellste Weg ging dann über die breite Landstraße. Dummerweise
war auf langen Strecken nicht ein kleiner Busch zu sehen, und ich mußte
doch so nötig für kleine Jungs... Irgendwann kam dann aber eine
große Scheune...
Es ist schon beeindruckend, wenn man mit seinem kleinen
Fahrrad als erster auf die riesige Fähre fahren darf, und später
auch als erster wieder herunter. Wahrscheinlich ist da schon ´mal
jemand ´unter die Räder´ gekommen. Auf der Fähre
kann man ganz gut Mittag essen und zumindest damals auch noch zollfrei
einkaufen. Das kannte ich aber schon von einigen Reisen mit meinen Eltern
im Zug vor zwanzig Jahren oder so. In Puttgarden angekommen muß man
durch die Zollkontrolle und fährt dann über Land nach Burg auf
Fehmarn. Das ist natürlich der reinste Turi-Ort und nach dem Geldholen
am deutschen Geldautomaten ging´s dann auch gleich weiter. Leider
ist es für Radfahrer so gut wie überhaupt nicht ausgeschildert,
wie man am Besten über die Fehmarn-Sund-Brücke
kommt. Letztendlich bin ich dann entlang der extrem stark und schnell befahrenen
Bundesstraße zur Brücke gefahren, wo ich dann erkennen konnte,
daß es einen schmalen ´Notweg´ gibt, über den dann
Fußgänger und Radfahrer geschleust werden sollten. Also habe
ich oben auf der Brücke mein Rad mitsamt schweren Gepäck über
eine recht hohe ´Leitplanke´ gehoben. Zur Info: der Notweg
befindet sich auf der westlichen Seite der Brücke und wird auch von
der westlichen Seite der Bundesstraße angefahren. Aber natürlich
durfte auch das obligatorische Foto von der Brücke herab nicht fehlen.
In diesem Fall ist es ein Blick nach Süden auf´s Festland. Und
genau da mußte ich hin, um mir diesmal rechtzeitig eine Übernachtungsmöglichkeit
zu suchen. Am aussichtsreichsten erschien es mir im Ort Heiligenhafen.
Nach Absage eines unverschämt hohen Angebotes in einem unterbelegten
Haus, wo man mir als Einzelperson das Doppelzimmer auch nicht zum Einzelzimmerpreis
anbieten wollte (lieber garnichts verdienen, als weniger als sonst...),
bin ich dann aber gut in einer Privatunterkunft beim ortsbekannten Werner
Kuchel untergekommen. Der hat mir den Abend mit Geschichten aus seiner
alten Boxerzeit und seiner aktiven Feuerwehrmitgliedschaft verkürzt.
Außerdem hat er mir natürlich sein letztes Doppelzimmer zu halbem
Preis vermietet. An jenem Abend kam dann auch noch ein ca. 60 Jahre alter
Engländer ins Haus, der das noch nicht abgenommene ´Zimmer frei´
-Schild gesehen hatte. Auch er bekam dann noch ein kleines ´Notzimmer´
und war überglücklich. Er kam auch von Skandinavien herunter
und wollte noch viel weiter und mit dem Rad auch nur noch bis nach England
zurück. Seine Hauptsorge galt, herauszufinden, wie man am Besten über
die Elbe kommt und am nächsten Morgen war er auch schon sehr früh
aufgebrochen. Ich schätze, er war noch mindestens fünf Tage unterwegs,
bei, wie er selber sagte, einer durchschnittlichen Tagestourenlänge
von 100km...
Am dritten Tage hatte ich mir vorgenommen, in Pelzerhaken
vorbeizufahren, wo ich 14 Jahre zuvor mit dem kompletten Schuljahrgang
der 11. Klasse eine Woche im Schullandheim verbracht hatte. Also steuerte
ich die Ostküsste Schleswig-Holsteins an. In Heiligenhafen hatte ich
mir eine ´Freizeitkarte Ostholstein´ gekauft, aber ich hatte
übersehen, dass man Freizeit heutzutage nur noch mit dem Auto totschlägt.
Mit vernünftigen Radwegebeschreibungen war´s also Essig. Zum
Glück waren die Ausschilderungen recht gut, und so konnte ich auf
dem Weg nach Pelzerhaken auch uralten Eichen finden, die als Sehenswürdigkeit
in der Karte verzeichnet waren. Da in meiner Heimat im sog. ´Herrenholz´
auch eine uralte riesige Eiche steht, war ich dann auch nicht soooo überrascht.
Als ich mich Pelzerhaken näherte wurde ich immer
langsamer und schaute mich immer genau um. Irgendwann auf der Piste entlang
der Küste mußte doch Pelzerhaken, bzw. das Schullandheim kommen.
Aber es kam nicht. Dann bin ich erst einmal angehalten, um eine Passantin
zu fragen, wo ich denn hin muß und merkte dabei plötzlich, daß
ich direkt davor stand. Allerdings hatte man das Schullandheim erweitert,
dann noch einen Wall davorgesetzt und zwischen Wall und Wasser einen befestigten
Weg angelegt. Und auf dem Sockel, auf dem vor 14 Jahren noch ein altes
U-Boot stand, befindet sich heute nur noch eine schmächtige Boje.
Die Ecke hat sich ganz schön verändert. Wo früher noch direkt
hinter dem Schullandheim nur ´Grün´ war, ist heute alles
schön nach bestem Wissen und Unwissen für die Kurgäste ´hergerichtet´.
Kommerz ist leider überall. Daß ich nicht für meine Durchfahrt
auch noch Kurtaxe bezahlen mußte, war wahrscheinlich Glück.
Trotzdem habe ich es mir nicht nehmen lassen, ein kurzes Bad in der Ostsee
zu nehmen. Die aus Bayern kommenden Leute vom DLRG waren netterweise bereit,
so lange auf meine Sachen aufzupassen. Und nachdem ich mich ins Wasser
begeben hatte, trauten sich auch andere, die sonst nur im Sand lagen, ins
Wasser zu gehen. Und sooo kalt war´s dann auch garnicht.
Dann ging´s weiter nach Neustadt, wo ich mich auf
dem Bahnhof informierte, wann und ab wo ich am günstigsten nach Hamburg
kommen konnte. Die Entscheidung fiel dann auf Lübeck. Bis dahin wollte
ich mit dem Rad fahren und von dort weiter mit dem Zug nach Hamburg, wo
ich bei einem Cousin übernachten wollte. Also blieb mir noch reichlich
Zeit. Und weil das Wetter sehr angenehm war, habe ich es auch richtig
genossen, oft mit Rückenwind, nahe des Wassers nach Süden zu
radeln. In Timmendorfer Starnd angekommen holte mich dann aber wieder die
Realität ein: Schrecklich viel Verkehr auf den Straßen (die
hatten bestimmt alle die Freizeitkarte Ostholstein im Gepäck), davon
sehr viele ´große Bonzen-Angeberkisten´ und tausende
Touristen machten aus dem sicher sonst ruhigen Ort die Hölle. Und
außerdem hat man es dort wohl auch nicht nötig, Radwege nach
Lübeck auszuschildern, wenn die sowieso alle mit ihren Schlitten anreisen.
Grausam. Da wollte ich also schnell weg, konnte es aber nicht, weil ich
nicht wußte, wo lang. Also habe ich mich erst einmal nach der Himmelsrichtung
orientiert und tappte auch prompt in die Falle: Aber hier nur noch Weiterfahrt
für Autos möglich (wegen Autostraße oder Autobahn). Also
mußte ich wieder umkehren und einen neuen Anlauf starten. Diesmal
half mir aber ein entgegenkommender Radfahrer weiter. Unterwegs habe ich
dann auf einem längeren Stück einen anderen Radfahrer begleitet,
der auch nach Lübeck
wollte. Den Rest des Weges ließ ich mir von ihm beschreiben. In Lübeck
ging´s direkt zum Bahnhof. Da noch ausreichend Zeit war, mußte
ich natürlich noch schnell in die City, um ein weiteres Beweisfoto
zu machen. Das Holstentor ist sicher eines der meist abgelichteten Baudenkmäler
in Deutschland. Und ich bin mit schuld. Auf dem Foto kann man sehr gut
das aufziehende Gewitter erkennen. Ich war auch kaum am Bahnhof angekommen
und in den Zug eingestiegen, da donnerte es auch nur so los. Der Regen
plästerte mit aller Gewalt auf das Dach der Bahnhofshalle. Und meine
Gedanken waren: "DAS ist timing !".
Glücklicherweise war mein Cousin in der Lage und
bereit, mir einen Platz zum Übernachten anzubieten. Nach dem Besuch
einer ehemaligen Studentenwohnheimmitbewohnerin am nächsten Tag ging
es dann zurück nach Hannover. Auch dafür gibt´s ein Beweisfoto
:-) Bleibt noch zu sagen, daß bei der Vorbeifahrt in Eschede, wo
gut eine Woche zuvor noch das tragischste Unglück in der Geschichte
der Deutschen Bahn passiert ist, der Zug mit sehr gedrosselter Geschwindigkeit
fuhr. Auf der Hinreise mußte ich ja schon wegen des Unglücks
einen Umweg in Kauf nehmen. Man kommt schon ins Grübeln dabei...
Ansonsten kann ich jedem, der nicht im Urlaub den gleichen Luxus und Komfort wie zu Hause erwartet, nur empfehlen, einmal eine Radtour zu unternehmen. Man kann viel, sicherlich auch Anderes erleben, was es auf 0815-Hauptsache-warm-Reisen nicht gibt, viele Leute treffen und auch ´mal seine Belastungsgrenze erforschen.
Viel Spaß dabei !
Hannover, 01.11.1998
Hannover, 03.05.1999
Hannover, 27.08.1999
Norbert Kolhoff